Nordische Tea Time in Hamburg

veröffentlicht in Bloggerevent Unterwegs am 23. März 2017

Ich finde es erstaunlich, wie schnell man sich an manchen Orten und in Gesellschaft der richtigen Menschen wohl fühlen kann. So ging es mir vor ein paar Wochen auch wieder im Marriott Hamburg. Ich war zu einem Workshop über Tee eingeladen. Und wer denkt, Tee sei total langweilig, hat sich geschnitten.

In kleiner Runde haben wir den Abend mit einem Red Tanqueray Tea Tonic gestartet. Ein fruchtiger Gin Cocktail mit Tee. Dazu gab es mit Pfefferminz aromatisierte Cashew Kerne – total verrückt. Ich bin generell ein großer Tee Trinker. Schon als Kind habe ich Kannenweise Tee getrunken und noch heute platzt mein Teeregal aus allen Nähten. Am liebsten trinke ich Früchtetee – wobei ich gelernt habe, das einiges davon vermutlich nicht einmal Tee ist. Aber von Anfang an.
In geselliger Runde starteten wir den Abend also mit einem Aperitif und wechselten schon bald in den Speicher 52 für einen theoretischen Teil. Dort hat uns Daniela, Bartender der Pianobar des Marriott, die vor einiger Zeit in Sri Lanka ihren Tee Sommelier gemacht hat, mit auf ihre Reise genommen.

Mit „Ayubowan Mareike“ und einem Milky Oolong, dessen Teeblätter über Milch gedampft werden, haben wir die Theorie Session gestartet. Es wird erzähl, dass ein Teepflücker sich beim Pflücken vor einer schwarzen Schlange erschrocken hat und nicht mehr weiter arbeiten wollte. Er vergaß die bereits gepflückten Teeblätter auf dem Feld, die in der Zeit welk wurden und fermentierten. Als er einige Tage später zurück kam, probierte er den Tee trotzdem. So entstand der Sage nach Oolong. Aber zurück zu den wirklichen Fakten.

Tee ist das meist getrunkene Getränk der Welt, wobei in Deutschland mehr Kaffee als Tee getrunken wird. Das Aufgussgetränk darf sich fachlich nur Tee nennen, wenn auch wirklich Teeblätter enthalten sind – so ist Pfefferminztee zum Beispiel eigentlich gar kein Tee sondern lediglich ein Aufgussgetränk. Diese Pflanze wird in Aufzuchtstationen auf ca. 30 Centimeter herangezogen und dann auf ein Feld umgesetzt. In seltenen Fällen werden auch Samen ausgeworfen. Jedoch ist der unkontrollierte Wuchs nicht sehr vorteilhaft. Die Felder gehören meist Einheimischen, die Pflückerinnen beschäftigen und ihnen im Idealfall auch eine Unterkunft und Verpflegung stellen. Die sehr kleinen Pflückerinnen pflücken ausschließlich die oberen Teile der Pflanze und davon 20 bis 30 Kilo am Tag. Dies ergibt ca 5 bis 6 Kilo Tee. Es gibt in dem Job kaum Männer, da Frauen einfach feinere Hände haben. Sie werden nach Menge bezahlt und laden zwischendrin ihren Ertrag an Ablagestationen ab, wo das Gepflückte von Supervisorn kontrolliert wird.

Nach dem Pflücken gibt es verschiedene Wege, wie der Tee zu dem Produkt wird, wie wir es kennen. Schwarzer Tee welkt und rollt sich auf. Dann fermentiert er und anschließend wird er getrocknet und sortiert. Traditionell wird dieses Verfahren per Hand durchgeführt. Die maschinelle Methode nennt sich CTC = Crush, Tear, Curl, zu deutsch Quetschen, Reißen, Rollen. Der maschinell hergestellte Tee ist sehr viel preiswerter und nicht so hochwertig wie der traditionell hergestellte. Ich war sehr fasziniert von den vielen Fakten und Bildern, die Daniela von ihrer Reise mitgebracht hat. Ich denke, als Europäer kann man sich gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit in hochwertigem Tee steckt, der nicht maschinell hergestellt wird. Wir haben uns aber natürlich nicht nur mit der Theorie befasst.

In der Praxis haben wir zunächst Darjeeling infused Popcorn gemacht. Dafür ganz einfach Popcornmais aufpuffen lassen und separat ein Karamell herstellen. In dieses zum Schluss den losen Tee einrühren und zügig das Popcorn hinzu geben und vermischen. Der Snack hat eine ganz leichte Teenote, die nur im Nachgeschmack wirklich raus kommt. Ich könnte mir dies auch sehr gut mit Pfefferminz vorstellen.

Weiter ging es mit einem Moringwer Mule. Dafür haben wir Moringatee mit Ingwernote in Vodka zehn Minuten ziehen lassen und anschließend erst durch ein Sieb und dann zwei mal durch Kaffeefilter gefiltert. Aufgegossen mit Ginger Beer ergab das einen intensiven und sehr interessanten Geschmack.

Zu guter letzt haben wir Tee-Gelee hergestellt. Dafür einfach den Tee wie gewünscht mit Saft und Sirup aromatisieren und mit Gelatine stocken lassen. Dazu passen hervorragend Scones, das englische Teegebäck, das wir letztendlich als Snack hatten.

Es gab jedoch nicht nur Scones. Es gab zudem auch geräucherte Entenbrust mit Darjeeling Marinade, mit Rooibos gebeizter Lachs mit Gurkensalat sowie Matcha-Tiramisu. Alle Gerichten waren ein wahres Gedicht. Ich bin eigentlich nicht so der Süß-Fan, aber das Tiramisu hat mich echt geflasht. Das war der Hammer. Und der Lachs erst! Ich habe sogar eine kleine Mischung mit nach Hause bekommen, mit der ich demnächst vielleicht auch einmal Lachs beize. Darauf freue ich mich schon total. Vor dem Event wäre ich nie auf die Idee gekommen, mit Tee zu kochen und zu backen. Ich denke aber, dass ich das nun öfters ausprobieren werde.

Alles in allem war der Abend im Marriott wieder ganz bezaubernd. Ich habe sehr viel gelernt und habe mich sehr über die schönen Gespräche mit den anderen gefreut – mit dabei waren Stephanie, Conny, Sven und Malte. Bedanken muss ich mich aber vor allem auch für die Einladung und bei dem Team vom Marriott, das uns wieder sehr lieb betreut hat und auch bis zum Schluss mit mir geblieben ist, obwohl ich so lange auf meinen Zug warten musste. Vielen, vielen Dank für die schönen Stunden im Herzen von Hamburg!

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1 Kommentar

  • Antworten Steffi 28. März 2017 um 16:56

    Moin, liebe Mareike!

    Wow, superschöner Bericht und tolle Fotos! Ich fand das Event auch sehr interessant und habe mich gefreut, dich im Marriott wieder zu treffen und ein bisschen zu plaudern! Danke für deinen lieben „Gruß“ und vielleicht auf bald mal wieder irgendwo in Hamburg…? 😉

    Herzlichst, die Steffi

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