Aufs Land mit Söbbeke: Wie ich dem Bremer Sturm trotzte, um mich mit Biokäse zu verwöhnen

veröffentlicht in Ausflüge Bloggerevent Unterwegs am 17. Oktober 2017

Ich liebe das norddeutsche Wetter und die Stimmung, die durch die Straßen fegt, wenn ein Sturm wütet. Wenn ich allerdings unterwegs bin und auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, kann ich mir das auch gut und gerne sparen. Letzten Monat war ich auf einem Event auf einem Milchhof im Bremer Blockland. Zusammen mit der Bio-Molkerei Söbbeke habe ich einen Tag lang etwas über Bioland-Prinzipien, Bio-Milchwirtschaft und die Söbbeke Produktpalette gelernt.

Am Morgen kam ich auf dem Hof Bavendamm an. Der Hof, der bereits 1374 das erste mal urkundlich erwähnt wurde, wird seit 1990 in Kooperation von Selbstständiger ökologischer Landwirtschaft und dem BUND betrieben. Seit 2009 hat die Familie Wilkens den Hof auf 30 Jahren gepachtet und erzeugt nach BIOLAND Richtlinien Biomilch. So ist der Hof beispielsweise CO2 neutral durch Stickstoffkreisläufe.

Der Umgang mit den Milchkühen ist sehr liebevoll. Auch, wenn viele Kälber an konventionelle Betriebe verkauft werden müssen, da nicht alle behalten werden können, werden diese in der ersten Zeit bei ihrer Mutter gepflegt. Wir selbst haben einige Kälber gesehen und waren sofort alle schockverliebt. Besonders dem Kälbchen, das erst in der Nacht zuvor geboren wurde, konnte niemand von uns widerstehen.

In der Melkanlage werden die Kühe mit Futter versorgt, während sie gemolken werden. Das reduziert den Stress. Verständlich. Wenn ich Essen habe, bin ich auch immer deutlich entspannter. Der Preis, den der Landwirt für einen Liter Milch bekommt, richtet sich nach dem Fettgehalt der Milch. In der Regel sind es jedoch um die 0,48 Euro pro Liter zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Milch wird nach dem Melken direkt auf 4 Grad runtergekühlt und durch eine Leitung in den Tank gefüllt. Alle drei Tage werden knapp 3.500 Liter abgeholt und zur Weiterverarbeitung zu Söbbeke gebracht.

Nun habe ich ja schon einmal über einen Demeter Hof berichtet. Bei Bioland sind die Richtlinien etwas anders. Zum Beispiel dürfen bei Biolandprodukten bis zu 5% der Zutaten aus konventionellem Anbau kommen, wenn die gleiche Zutat in Biolandrichtlinien nicht verfügbar ist. In der Anzahl der Zusatzstoffe unterscheiden sich die Produkte aber kaum und genau das finde ich so wundervoll. Während in konventionellen Lebensmitteln mehr als 300 verschiedene Zusatzstoffe sein dürfen, die nicht einmal alle deklariert sein müssen, beschränkt sich Bioland auf 22 Zusatzstoffe. Eine enorme Reduzierung und man muss sich nicht durch einen Dschungel von E-Nummern schlagen. Da ich persönlich einige Allergien habe, fällt es mir bei vielen Produkten schwer, zu sagen, ob ich sie essen kann oder nicht. Bei Biolebensmitteln, habe ich da weniger Probleme. So vertrage ich die Joghurts von Söbbeke trotz Laktoseintoleranz sogar recht gut. In den meisten Fällen nehme ich zwar eine Tablette, zum Teil vergesse ich es jedoch, habe allerdings auch keine Probleme.

Schön finde ich auch, dass Söbbeke sogar eine laktosefreie Milch im Angebot hat, die mich geschmacklich ganz stark an frische Milch, die nicht laktosefrei ist, erinnert. Das erkennt man besonders auch an de Farbe. Während die konventionelle Milch, die ich ansonsten gekauft habe, sehr weiß ist und teilweise sogar wässrig und sehr süß, ist die laktosefreie Milch von Söbbeke leicht gelblich, man schmeckt das gute Fett und es ist weniger süß. Sie schmeckt richtig vollmundig. Leider bekomme ich die Milch hier im Supermarkt nicht, aber sobald ich sie mal wieder sehe, werde ich mich wohl damit eindecken.

Pauls Biomolkerei Söbbeke gibt es bereits seit über 100 Jahren und gründete sich im Münsterland durch verschiedene Milchhändler, bevor sie 1929 durch eine Übernahme den Namen Molkerei Gebrüder Rogge bekam. Schon 1950 übernahmem Hildegard und Heinrich Söbbeke die Molkerei, doch erst 1988 geündete Paul Söbbeke die Molkerei unter heutigem Namen. 1995 wurde eine Käserei in Rosendahl eingerichtet, in der bis heute noch handwerklich gekäst wird. 2003 wurde die Verarbeitung konventioneller Milch komplett eingestellt und damit war die Molkerei Söbbeke die erste und einzige Bio-Molkerei in Deutschland. 2005 wurden dann auch sämtliche Aromastoffe für Fruchtjoghurts abgeschafft. Im Laufe der Jahre hat sich die Molkerei weiterentwickelt und handelt mittlerweile sehr umweltbewusst und nachhaltig. So haben sie eine ZNU (Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung) Zertifizierung, sind komplett auf Öko-Strom umgestellt, trennen Müll und haben ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem. Weiterhin unterstützen sie die Bio Brotbox in Schulen, haben interne Charity-Aktionen und ein Jobbike Programm. Wir haben Sarah, die neue Brandmanagerin von Söbbeke, vor Ort kennengelernt, die mit uns quasi ihren Jobeinstieg hatte. Hätte sie nicht erzählt, dass sie erst seit ein paar Tagen bei der Molkerei ist, man hätte geglaubt, sie ist bereits seit Jahren dabei. Ihre Leidenschaft und Euphorie gegenüber den Produkten, fand ich absolut wundervoll.

Bei einer Vorstellung der Produktpalette, hat Sarah uns mit ihrer Überzeugung angesteckt. Für jedes Schleckermaul war etwas dabei. Und während einige sich auf die Joghurts gestürmt haben, habe ich mich am Käse quasi überfuttert. Ihr glaubt gar nicht, wie wundervoll der Käse war und ist! Ich konnte einige Sorten auch mit nach Hause nehmen und meine Mitbewohner mit meiner Euphorie anstecken. Der Bernd kam bei meiner Mitbewohnerin sehr gut an, während Berta sich in mein Herz schlich. Die Käsesorten sind sehr cremig und vollmundig und ganz, ganz fein im Geschmack. Da hatte ich richtig Glück, dass für jeden nicht nur ein Würfelchen abgeschnitten wurde und der ein oder andere sogar verzichtet hat – mehr für mich! Schade jedoch, dass die Stücke nun schon leer sind. Söbbeke ist zu ca. 70 Prozent im Fachhandel vertreten und einen Bioladen habe ich leider nicht vor der Tür. Auch die Dame der Käsetheke in dem Edeka meines Vertrauens hat mich mit großen Augen angeschaut, als ich nach Söbbeke und nach Biokäse im Allgemeinen fragte. „Sowas haben wir gar nicht.“ Naja gut. Ich halte die Augen auf. Und das solltet ihr auch tun. Wenn euch der Käse mal über den Weg läuft, nehmt ein kleines Stück zum probieren mit. Oder ein großes, weil – solltet ihr Käseliebhaber sein – es nicht beim Probieren bleiben wird. Glaubt mir.

Nachdem sich bereits die ersten Bäume dem Sturm und Unwetter hingegeben hatten und vor unseren Augen stumpf umgefallen sind, haben wir uns dazu entschieden, etwas früher Schluss zu  machen, so dass noch jeder gut nach Hause kommen konnte. Mit bestimmt einigen Kilo Joghurt, Käse, Milch und Co. haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Vorbei an herunterfallenden Ästen und der Polizei folgend, die ein Schild mit der Aufschrift „Gefahr“ auf ihrem Dach hatte. Sehr beruhigend. Nachdem ich knapp dreimal so lange heim brauchte wie sonst, bin ich jedoch mit ganz vielen Eindrücken zur Tür rein spaziert und habe meinen Mitbewohnern ganz begeistert von allem erzählt. Bioland ist eine klasse Sache und die Produkte von Söbbeke dazu noch unfassbar lecker. Theoretisch genießt man nicht nur den Geschmack sondern auch die Nachhaltigkeit bei jedem Löffel. Das finde ich klasse und möchte mich an dieser Stelle noch einmal für den ereignis- und genussreichen Tag bedanken. Ich habe auch ein kleines Rezept erstellt, bei dem ich den Joghurt, den wir mitbekommen haben, verarbeitet habe. Dies folgt in den kommenden Tagen.

*Ich wurde zu diesem Event kostenfrei eingeladen. Meine Meinung basiert jedoch auf meinen eigenen Erfahrungen.

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