Die Angst vor dem Reisen

veröffentlicht in China Kolumne Persönliches Reisen am 6. Januar 2017

In elf Tagen sitze ich im Flieger. Alles ist vorbereitet. Sogar ein Teil meines Gepäcks steht schon bereit. Meine Packliste ist fertig. Ich muss nur noch ein neues Asthmaspray abholen und den Koffer packen. Ich bin vorbereitet für die Reise meines Lebens. Aber ich bin nicht bereit.

Ich bin nicht aufgeregt. Aber ich habe Angst. Das ist meine erste Langstreckenreise und ich habe richtig Bammel. Ich mache mir Gedanken. Ich lebe in meiner Komfortzone. Ich bin ein Mädchen vom Land. Ich habe Schiss. In den letzten Jahren habe ich mir Routine angewöhnt, um die Tage zu überstehen. In schlimmen Momenten habe ich meinen gesamten Tag geplant. Ich habe aufgeschrieben, wann ich aufstehe, was ich esse, habe sogar solch Sachen wie Duschen und Zähne putzen auf meine ToDo-Liste gesetzt. Einfach, um die Sicherheit zu haben. Um den Tag zu überstehen. Zur Zeit geht es mir sehr gut und ich notiere mir nur noch wichtige Dinge, aber die Tatsache, dass ich in ein Land reise, dessen Sprache ich nicht spreche und welches 7.500 km Luftlinie von meiner Komfortzone entfernt ist, bereitet mir Sorgen.

Ich bin das Reisemädchen. Ich sollte mich freuen – und natürlich, das tue ich auch. Und sicherlich ist Abstand auch mal ganz gut. Aber ich habe nun mal Angst. Ich habe Angst vor dem Reisen, denn Reisen bringt immer eine gewisse Unsicherheit mit sich. Ich kann nicht kalkulieren, was passiert. Ich bin an die Ostsee gefahren und an die Nordsee. Ich war in Holland und in Frankreich. Immer in Begleitung. Und nun steige ich alleine in den Flieger und reise auf einen anderen Kontinent. Ich verlasse den europäischen Kulturkreis und tauche in eine andere Welt ein. Zumindest fühlt es sich so an. Ich habe keine Kontrolle mehr. Ich verliere meine Sicherheit und das beunruhigt mich. Aber soll ich euch was sagen? Ich freue mich darauf, die Angst zu besiegen und das Abenteuer meines Lebens zu starten. Ich freue mich darauf, in den Flieger zu steigen und der Angst einfach zu entfliehen. Ich bin ein Schisser. Ich bin ein kleiner Angsthase, aber ich werde nach Peking fliegen!

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4 Kommentare

  • Antworten Vanessa 8. Januar 2017 um 09:29

    Ich kann das sehr gut verstehen. Sowohl den Wunsch es zu tun, als auch die Angst davor. Aber du hörst mich von hier aus applaudieren und dir aller größten Respekt dafür zollen, das du es tust und das du am Ende nicht nur mit tollen Eindrucken einer anderen Welt nachhause kommst, sondern auch als Mensch, der vielleicht eine Angst weniger hat oder zumindest etwas weniger Angst hat. Diese Reise wird dir nicht nur etwas von der Welt zeigen, dass du noch nicht kannstest, sondern auch etwas von dir. Ich bin gespannt davon zu lesen.. Liebe Grüße, Vanessa (nicht ansatzweise weltgewandetes Landei und schissige Gernreisende, die sich ärgert das sie vor lauter OHGOTTOHGOTTOHGOTT nicht nach Shanghai geflogen ist, obwohl dort ihre Freundin wohnt)

  • Antworten Nic {luzia pimpinella} 1. März 2017 um 16:43

    An deinen neueren, wunderbaren Posts sehe ich, dass du deine Angst – die ich sehr gut verstehen kann – überwunden hast. Die Reise hat dich sicherlich für deinen Mut belohnt. Nichts ist besser, als das gefühl, seine Angst außerhalb der eigenen Komfortzone überwunden zu haben.

    Und für’s Reisen lohnt sich das in meinen Augen sowieso immer… wir haben nur dieses eine Leben.

    Viele Liebe Grüße
    Nic

  • Antworten anja| das tuten der schiffe 1. März 2017 um 20:47

    liebe mareike, wie cool, dass du dich diesen reiseängsten stellst, um daran zu wachsen… das bringt dann ja die sicherheit beim tun mit sich… und schön, wie ehrlich du das hier berichtest. nicht so abgeklärt. danke für den einblick, herzlich aus hamburg, anja

  • Antworten Sven 28. April 2017 um 13:39

    Mit dem Schiss sprichst du mir aus der Seele.
    Vor meiner ersten Reise alleine um die halbe Erde hatte ich auch tierischen Bammel. In Kürze steht meine zweite Langstreckenreise alleine an und auch wenn es nur noch zwei Tage sind bis zum Abflug, so bin ich dieses Mal doch sehr viel entspannter!

    Viele Grüße aus Hildesheim,
    Sven.

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