Ein Brief an die Bahn

veröffentlicht in Persönliches am 25. September 2012

[Ich unterbreche meinen eigentlichen Reisebericht für einen offenen Brief an die Deutsche Bahn. Vielleicht ein bisschen naiv, aber ich möchte mich mal auskotzen.]

Sehr geehrter Herr Grube, liebe Vorstandsvorsitzenden,

gerade durfte ich in einem Artikel des Spiegels lesen, dass Sie erneut vorhaben, die Preise der Fahrten mit der Deutschen Bahn zu erhöhen und ich möchte mich an dieser Stelle dazu äußern.
Seit nun mehr als 7 Monaten führe ich eine Fernbeziehung und bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, da ich mit meinen 17 Jahren noch nicht alleine die 390km fahren darf und es auch nicht einsehe, die Strecke immer und immer wieder mit dem Auto zu fahren, in Staus zu geraten oder die hohen Spritpreise hinzunehmen. Sicherlich bieten Sie für dieses Problem die Lösung. Mit der Bahn komme ich zeitlich gesehen einigermaßen gut und größtenteils bequem zu meinem Ziel, doch lag es schon das ein oder andere Mal an den Preisen der Bahn, dass ein Treffen fast nicht zustande hätte kommen können. Fast, da es ja nette Omis und Mamas gibt, die für die Liebe gerne mal eins, zwei Euro dazugeben, aber sicherlich nicht auf Dauer.
Ich bin Schülerin, mache derzeitig Abitur und wohne mitten auf dem Dorf. Bedeutet: ich habe weder Zeit, mir einen Nebenjob für nachmittags zu suchen, noch habe ich die Möglichkeit, in die nächste Stadt zu kommen, da auch Busverbindungen eher sporadisch sind. Und wie oben erwähnt, kann ich auch nicht selber fahren. So bleiben mir im Monat 30€ Taschengeld mit denen ich neben den Zugfahrten auch noch weitere Luxusgüter oder alltägliche Gebrauchsgegenstände kaufen muss.
Rechnet man nun also einmal aus, dass mich eine Hin- und Rückfahrt insgesamt mit meiner Jugend Bahncard mindestens 44€ kostet – sofern ich früh genug buche -, haben wir das Problem auf dem Tisch liegen.
Sie, lieber Herr Grube, „führe[n] letztendlich ein Wirtschaftsunternehmen, und das müssen [Sie] gut führen“, das verstehe ich auch, doch ich führe eine Fernbeziehung und die muss wiederum ich gut führen. Wie, Ihrer Meinung nach, soll das funktionieren bei den immer teurer werdenden Fahrten der Deutschen Bahn, auf die ich mehr oder weniger ständig angewiesen bin?
Hinzu kommt, dass ich bei der Buchung eines Sparpreises wohl für die Fahrt mit einem anderen Zug zahlen muss, wenn der Zug, für den ich Zugbindung hätte, nicht erreicht werden kann, da der Zug, mit dem ich zu dem Umstiegsbahnhof kommen soll, Verspätung hat – so die Aussage einer Service-Point Mitarbeiterin. Das sind dann nochmal knapp 30€ zusätzlich für eine Verspätung, für die ich gar keine Verantwortung tragen kann. Letztendlich bin ich dann einer der vielen verärgerten Bahnreisenden und überlege mir beim nächsten mal doppelt, ob ich für die Reise vielleicht doch eher eine Mitfahrgelegenheit nutze. Doch um diese zu erreichen, muss ich mit der Bahn in die nächste große Stadt. Sie sehen das Problem?
Ich bin mir sicher, Sie bekommen täglich hunderte, wenn nicht sogar tausende Beschwerden, und auch ich bin nur ein Sandkorn in einer stetig umgedrehten Sanduhr, doch ich bitte Sie, sich einmal damit zu befassen. Ich bin nicht die einzige, die dieses Problem hat. Ich kenne Paare, die eine Beziehung zwischen München und Hamburg führen, zwischen Hamburg und Bottrop oder Frankfurt und Berlin. Wie, frage ich Sie, soll das auf Dauer vor allem finanziell funktionieren?

Mit freundlichen Grüßen,
eine Kundin

An dieser Stelle weise ich auf zwei Erfahrungsberichte über den neuen HKX und über mitfahrgelegenheit.de hin.

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5 Kommentare

  • Antworten Anonym 25. September 2012 um 18:53

    Mir geht es haargenau so. Vielen Dank für dieses Statement. Ich unterstütze dich in jedem Wort. Mein Freund und ich wohnen 500 km auseinander. Wegen der Arbeit. Wir können uns wegen der Preise nur alle drei Monate treffen. Das ist echt traurig. Zumal man teilweise nicht früh genug buchen kann,da man ja noch nicht weiß, ob man überhaupt Urlaub bekommt. Es ist echt schade. So viele Menschen sind auf die deutsche Bahn angewiesen und werden immer mehr ausgenutzt..

    Ich hoffe dieser Blog wird es weit bringen. Ich drücke dir, deinem Freund und allen anderen Paaren die Daumen.

  • Antworten evghommel 25. September 2012 um 19:46

    Ich habe natürlich viel Verständnis für Deine Situation und ich vertrete hier nicht die Interessen der Bahn…allerdings die der dort Beschäftigten.
    Rund 800 km Hin-und Rückfahrt für unter 50 Euro ist im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln sicher nicht überteuert….und – wie im vorherigen Kommentar erwähnt – von einem Ausnutzen zu sprechen, ist aus meiern Sicht nicht gerechtfertigt.

    • Antworten Mareike 25. September 2012 um 19:50

      Das mag richtig sein, doch bedenkt man, dass ich diesen Preis nur habe, wenn ich direkt buche, sobald die Karten zur Verfügung stehen und mit meiner Bahncard und ich ansonsten über 100€ zahlen würde, ist das schon eine reife Leistung.

  • Antworten Anonym 13. November 2012 um 08:34

    thanks for sharing.

  • Antworten romy 23. November 2012 um 19:19

    Sehr guter Brief, und entspricht völlig der Wahrheit. kann mich da nur anschließen. Stuttgart –> Münster habe ich zu bewältigen.

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